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Während seines Studiums an der Karlsruher Kunstakademie übernahm Peter Dreher die figurative Malerei, wenn er auch die Strömungen der Nachkriegskunst wahrgenommen hatte, vor allem jene Deutschlands - von Sigmar Polkes kapitalistischem Realismus über Gerhard Richters Fotomalerei bis hin zu Martin Kippenberger und dem Neuen Wilden Jörg Immendorff - er vertraute auf die klassische Umsicht und Unmittelbarkeit der mimetischen Funktion des künstlerischen Nachvollzugs. Als Professor an der gleichen Akademie, an der er schon studiert hatte, beeinflusste er viele Studenten, einschließlich Anselm Kiefer, fand seinen malerischen Ethos in vorderster Front wieder, beispielsweise in der Leipziger Schule. Ohne seine künstlerischen Werte aufzugeben, vereinigte Dreher in seinem Werk Elemente des Minimalismus, der Konzeptkunst und der Pop Art. Seine Sujets - Stillleben, Familienporträts, Schwarzwaldlandschaften - häufig in Form einer Serie, entweder in chronologischer Abfolge bzw. in Einzelbilder aufgeteilt, sind nicht bloße Aneignungen und Abbildungen der Wirklichkeit, sondern vielmehr ein Neuerschaffung derselben. Auf diese Weise wird Malerei zu einem wahren Refugium für seine Seele. Seit 1974, seine übrigen Arbeiten begleitend, malt Peter Dreher beinahe täglich das gleiche Sujet: ein Wasserglas vor einer weißen Wand. Ein Fenster reflektiert sich auf der Glasfläche. Das Glas wird maßstabsgetreu auf die Leinwand übertragen, nur die Farbnuancen ändern sich. Der Name dieser Serie, die nun mehr als 5.000 Bilder umfasst, heißt "Tag um Tag guter Tag", ein Zitat des Zenmeisters Yunmen Wenyan. Diese Serie, die das gleiche Objekt immer wieder wiederholt, ist ein persönliches Ritual, ein Befriedungsmechanismus gleich den Einträgen in ein Tagebuch: Es lässt den Fluss der Zeit spürbar werden und reflektiert den Wandel des Zustands des Künstlers in Form von unterschiedlichen Nuancierungen. Aber es ist auch viel mehr, diese Disziplin erhebt eine ästhetische zu einer moralischen Befragung: es ist der kreative Akt selbst, der das Werk mit seinen Werten durchdringt. Durch Wiederholung und die friedvolle, meditative Ausstrahlung der Bilder gelingt es Dreher die gegnerischen Konzepte von figurativ und abstakt aufzuheben.
 
Biennale Athen 2007